"these times are made for healing, gathering, celebrating, remembering, reconnecting, speaking up and creating something new"

Tief geht es hinab

Tief geht es hinab, ich kann die Feuchtigkeit riechen. Den Geruch der Feuchtigkeit, so vertraut, so beruhigend, wie zuhause ankommen.

Schritt für Schritt ins Unbekannte und ich kann sie hören, die gleichmäßigen Schläge der Trommel.

Was wird mich erwarten, ein wenig Unbehagen mischt sich zu meiner Aufregung.

Trotzdem fühle ich mich hier geborgen, Mutter Erde, die Du mich zu jeder Zeit trägst und beschützt. Dir kann ich mich anvertrauen, du trägst und hältst mich, auch in meinen ganz schweren Momenten.
Diese tiefe Sehnsucht, der vollständigen Annahme, des wahrhaftigen Gehaltenseins, Du liebe Mutter, bist zu jeder Zeit für mich da.

Und mit diesem Gefühl des totalen Vertrauens gehe ich weiter,  Schritt für Schritt

Irgendwann sehe ich am Ende des Ganges den schwachen Schein eines Lichtes, eine Nische tut sich auf..

Ich gehe ganz, ganz langsam vorwärts, behutsam..

Dort erkenne ich etwas, im schwachen Lichtschein der Kerze sitzt ein Mädchen. Es kauert ganz verängstigt in seiner Nische und schaut mich mit großen Angst erfüllten Augen an. Ich möchte am liebsten auf es zugehen und es in den Arm nehmen.

Aber in dem Moment, wo ich mich hinbewege fängt es an zu schreien, zu wimmern und um sich zu schlagen.

Oh mein Gott, was ich nur mit dir passiert, denke ich mir.

Vorsichtig versuche ich mich neben dieses kleine, verängstigte und traurige Mädchen zu setzen. Ganz still, ganz still verweile ich neben ihr, mir scheint als würde die Zeit still stehen. Aus dem Schreien ist ein leises Wimmern geworden und ich traue mich dem kleinen Mädchen langsam meine Hand zu reichen.

Auf einmal springt es auf meinen Schoss, laut schluchzend liegt es in meinen Armen.

 „Wo warst du so lange, warum bist du nicht zu mir gekommen und hast mich alleine gelassen.
Alles andere war dir wichtiger, deine Eltern, dein Freunde, dein Mann - immer ging es nur um sie.“

Ganz erschüttert schaue ich das kleine Mädchen lange an und unendliche Traurigkeit überkommt mich:

„Wann ist es nur passiert, wann habe ich den Zugang zu mir verloren, wann habe ich mich selbst verlassen. Wann habe ich mein kleines Mädchen im Stich gelassen. Wann sind andere Menschen wichtiger geworden oder hatte ich überhaupt jemals den Zugang zu mir selbst, zu meinem wahrhaftigen Ich, zu meinem kleinen Mädchen, zu mir. Einfach nur zu mir, Eva…“

Es immer allen anderen recht machen, nur um zu gefallen, nur um nicht zur Last zu fallen, um keinen Preis auffallen.

Erst den Eltern, weil es gab ja den behinderten Bruder, der eh schon viel Last bedeutete.
Also immer schön im Hintergrund halten, erspüren was andere benötigen, einen Schritt voraus sein um reagieren zu können und sich im Falle unsichtbar machen und sich für die Gefühle von anderen verantwortlich fühlen.

Dann dem Partner, mit anfangs einem tollen Leben mit viel Luxus, tollen Reisen und vielen Bekannten.

Aber der Preis war hoch, sehr hoch. Oft habe ich Worte gehört die mich zutiefst verletzten, mich manipulierten und mich von mir wegbrachten. Ganz weit weg von mir, alle Gefühle wurden weggesteckt und unterdrückt. Ich drehte mich 15 Jahre nur noch um meinem Mann, habe alles gemacht um ihm zu gefallen, um ihn nicht zu verärgern, nicht zu kränken, nicht zu stören, nicht zu verunsichern.

15 Jahre es einem Menschen recht gemacht, der es weder schätzte noch sah, was man alles gemacht hat, mit sich hat machen lassen.

Ich hatte jegliches Gefühl von Wert, Selbstwert verloren…

Aber manchmal ganz tief in mir spürte ich, dass kann doch alles nicht wahr sein.

Irgendwann mal hatte ich aber das Gefühl, so kann ich einfach nicht mehr weitermachen, nicht mehr weiterleben..
Ich forschte, ich las, ich spürte in mich hinein und was ich fand hat mir wohl mein seelisches Leben gerettet.
Die Gemeinschaft zwischen uns Frauen, diese unendliche Liebe, absichtslose Liebe, Schwesternschaft.
Ein Wort was ich bis vor drei Jahres nicht kannte, aber tief in mir spürte, genau dies ist es und so unendlich wertvoll für mich, für alle Frauen…

Im schlimmsten Moment meines Lebens, in totaler Angst vor meinem Partner, hatte ich das Gefühl komplett am Boden zu sein, den Verstand zu verlieren, meine Seele zu verlieren….

Aber ich bin so unendlich dankbar, dass ich nicht den Verstand verloren habe, sondern die Kraft der weiblichen Gemeinschaft, der Schwesternschaft.

Irgendwas oder Irgendwer hat mich davor bewahrt.

Das tiefe Gefühl dieser, in Worte kaum zu beschreibenden, unglaublichen Gemeinschaft, Vertrautheit, ein nach Hause kommen und sich fallen lassen.

Ich habe Wege gefunden für meine Weiblichkeit, meine Unabhängigkeit, meine Spiritualität.

Ich habe meine tiefe Beziehung zur Natur- zur Mutter Erde wieder entdeckt. Eine Verbindung und ein Glaube der mich unendlich stärkt, nährt und mich zur Ruhe kommen lässt.
Ich hätte nie gedacht irgendwann erfahren zu dürfen, was Glaube bedeutet. Ich glaube an Mutter Erde und das Universum. Was für eine Kraft, Vertrauen und Zuversicht, die für mich dahinter steckt.

Es hat mich auch zu meinen Herzensschwestern gebracht, erst ein paar und nun werden es immer mehr, in Frauenkreisen, Singkreisen, Tanzkreisen und im schamanischen Frauen-Circle.
Was für ein Geschenk für uns Frauen, oft kann ich es kaum in Worte fassen, so tief, so berührend, so nährend, so unbeschreiblich. Ein Gefühl des Heimkommens in den Schoss von Mutter Erde. Wir halten uns gemeinsam, ein sanftes leises Ausatmen, Ankommen und Liebe ist zu spüren, tiefe absichtslose Liebe zwischen uns Frauen. Alle fangen an zu strahlen, zu blühen, ihre pure Weiblichkeit erhellt den Raum. Alles darf sein, alles ist willkommen und wird geehrt. Nie, nie wieder höre ich auf, meinen ureigenen weiblichen Weg zu verlassen.
Von dem Zeitpunkt, an dem ich dachte ich wache am nächsten Morgen nicht mehr auf und bis ich mich wirklich getrennt habe, sind noch fast 3,5 Jahre vergangen…

Aber nun sitze ich hier in meiner eigenen Wohnung, meiner Freiheit, meinen eigenen vier Wänden und habe mein Leben wieder zurück.

Mein eigenes selbstbestimmtes Leben, denn ich habe nur eines.

Und ich kann meiner 8 jährigen Tochter wieder ein Vorbild sein, eine Frau die sich nicht unterdrücken lässt, sondern für sich einsteht. Aufsteht und das Wort gegen Manipulation und Angst erhebt.

Denn Heilung darf für mich, für meine Tochter, alle Frauen und Mädchen, Mutter Erde und all ihre Geschöpfe geschehen.

Und mein kleines Mädchen darf wieder zu mir zurückkehren und findet seinen Platz in meinem Herzen.

Und viele andere Mädchen sollen diesen Weg der Weiblichkeit schon viel früher gehen können und ich möchte sie dabei unterstützen, schneller den Weg der Weiblichkeit zu finden ohne die vielen schmerzhaften Umwege.

Dafür werde ich meine Stimme erheben und meine Kraft einsetzen, denn aus den vielen Frauenkreisen die bereits bestehen, müssen sich auch Mädchenkreise entwickeln, die junge Frauen und Mädchen in ein wertvolles, weibliches und wunderbares Frauen-Leben führen. Aho

Von Eva S.

Foto: Eva S.











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